Ich hasse Geschichte. Vor allem seit den letzten zwei Jahren ist es mir zur Last geworden. Und nun sitzt du neben mir in einem blauen T-Shirt und der schwarzen Jeans, die wir zusammen gekauft haben und scrollst irgendwelche Seiten über Autos runter und wieder hoch. Vor mir liegt der unfertige Geschichtsvortrag. Meine Motivation läuft gegen Null. Ich will dich endlich genießen können. Auch ohne Küsse.
"Jetzt mach' mal 'ne Ansage wegen Sommerferien." Ich sehe zu dir rüber. Zucke kurz mit den Schultern und bringe ein klägliches "Mir egal" über die Lippen. Mein Hals kratzt, ich muss husten. "Du würdest arbeiten gehen, wenn ich zwei Wochen weg bin?" Ich nicke, versuche die Konzentration für Geschichte beizubehalten. "Du weißt ja, wie gerne ich mal wieder ins Ausland gehen würde." - "Ich will nicht dran Schuld sein. Ich geh die zwei Wochen arbeiten. Und genug Freunde um die 14 Tage zu füllen habe ich auch." Du stimmst zu. Ich sehe zum flackernden Fernseher, meine Hand spielt mit dem roten Kuli rum, meine Augen werden feucht. Zwei Wochen ohne dich, 14 Tage nicht deine Nähe spüren, 336 Stunden andauernde Sehnsucht, 20160 Minuten Hoffen auf dein Wiederkehren. Als ich vorhin so darüber nachdachte, empfand ich es weniger schlimm. Auf einmal überfällt mich diese Traurigkeit.
Zu leicht lasse ich mich ablenken und sehe Bear Grylls zu wie er sich durch irgendeine Wüste in Südafrika kämpft.
Du streifst dir deine Mütze über und siehst mich dabei an. "Du siehst kaputt aus. Müde." Mein schwaches Nicken bestätigt deine Aussage nur. "Wenn es dir morgen immer noch nicht so gut geht, bleibst du bitte zu Hause. Einen Tag kann man sich das leisten. Ja?" Wieder bloß ein Kopfnicken. Die schwarzen Fingerhandschuhe betonen deine großen Männerhände. Ich liebe sie. Ewig könnte ich mich nur mit deinen Händen beschäftigen. Du streckst sie nach mir aus. Ich ergreife sie und lass mich zu dir ziehen. "Bis hoffentlich morgen", krächze ich. Wir nehmen uns in den Arm. Es tut gut, es tut so wahnsinnig gut dich endlich spüren zu können. Letzte Woche konnten wir kaum ein Wort miteinander wechseln, das Wochenende war auch beschissen. Jetzt bist du da. Dein Kopf legt sich auf meine Schulter und vergräbt sich dann in meine Haare. Als wir voneinander lassen, sehe ich seit langem wieder in deine atemberaubenden Augen. Ich will dich küssen, will deine warmen Lippen spüren, deinen Atem. Ich will deinen Duft in mir einsaugen, will alles für mich behalten. Doch ich darf nicht. Du gibst mir zwei wunderschöne Küsse, einen auf die Wange, einen auf den Hals, bis du im Nebel verschwindest.
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