Sonntag, 31. Juli 2011

#22

Ich werfe eine Zeitung in den Briefkasten, klappe den Ständer des Fahrrades nach hinten und laufe weiter. Vor dem nächsten Haus bleibe ich stehen, stelle das Rad wieder ab und hole mein Handy raus. Ich simse dir: "Hast du Zeit? So in einer halben Stunde? Bin grad in der Nähe." Nach fünf Minuten schreibst du zurück: "Ja, eigentlich schon, aber in einer halben Stunde kommt Formel 1 ;)" - "Jaja, von mir aus." Ich glaube ich stehe schon nach zehn Minuten vor deiner Tür, jedenfalls früher. Meine Haare sind strähnig und noch leicht nass vom Regen, ich bin ungeschminkt und schöne Klamotten sehen anders aus. Ich komme rein, du gehst ins Wohnzimmer. Meine Sachen lege ich in dein Zimmer und ich folge dir. Ungefähr eineinhalb Stunden folge ich widerwillig den vorbeiziehenden Autos die auf den feuchten Straßen rumrutschen. Ich hatte bereits eine AutoBILD in der Hand und mir vier Seiten durchgelesen. Wir haben in den neunzig Minuten vielleicht ungefähr sieben Sätze gewechselt. "Ich glaube ich mache in zehn Minuten los", sage ich unsicher und lege mein Handy zur Seite. Du siehst mich kurz an, nickst, gibst irgendeinen zustimmenden Laut von dir und richtest deine Aufmerksamkeit wieder dem Rennen zu. In der Pause entfitze ich meine Kopfhörer, schließe sie an mein Handy an und ziehe mir meinen Pullover und die Regenjacke über. Nachdem auch meine Chucks sitzen, stelle ich mich vor dich. "Na, dann bis ... nächste Woche irgendwann." - "Ja, ein Abend oder Nachmittag mal." Ich nicke schwach. Dann küssen wir uns. Glückshormone werden ausgesprüht, plötzlich ist es so, als gäbe es diesen scheiß Fernseher und dieses dämliche Formel 1 mit diesem oberdämlichen Vettel nicht. Dein Kuss ist voller Liebe, voller Gefühle und voller Zärtlichkeit. Er kommt auf meiner imaginären Kuss-Liste ganz weit vorn.

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