"Hast du heute was vor?", schreibe ich und drücke auf senden. Du antwortest schnell "Nein" - "Gut, jetzt schon!"
Wir machen uns für Nachmittag aus, dass du mich besuchen kommst. Ich freue mich schon riesig! Zu Hause esse ich schnell was und fange an mein Zimmer nach und nach in Ordnung zu bringen. Als ich die Hälfte des Chaos beseitigt habe, schau ich auf die Uhr: 15 Uhr. Du wolltest Bescheid sagen, wenn du kommst. Trotzdem simse ich dir nochmal: "Und?" Du antwortest nicht. Erst 40 Minuten später kommt eine Antwort. Deine Mom will halb fünf grillen, schreibst du, und fragst ob ich kommen will. "Meine Mom macht extra Spagetti für mich. Und eigentlich bin ich zu kaputt um wohin zu fahren." Schließlich habe ich einen acht-Stunden-Job hinter mir - in den Ferien! Ich bin angeschlagen. Was soll das? Deine Familie hast du immer um dich rum. Deine Mom, ihr Freund und seine Töchter. Mich nicht. Deine SMS kommt zurück: "Soll ich danach vorbei kommen, wenn du da nicht schon im Bett bist?" - "Mh, ok."
Es kotzt mich an, verdammt nochmal und du merkst es nicht! Zehn Minuten mache ich langsam mit den Aufräumarbeiten weiter, aber ich komme nicht mehr voran wie vorher. Ich schreibe: "Vielleicht verschieben wir das lieber. Muss morgen wieder halb sechs raus. Die paar Stunden tuns nicht so." Ich fange an fürchterlich zu weinen. Die SMS prangt immernoch auf dem Handybildschirm. Ich lege die Tastensperre ein und das Handy weg. Wenn ich die SMS jetzt abschicke, sehe ich dich erst übermorgen, wenn nicht stehst du in ein paar Stunden vor meiner Tür und erzählst von der Grillparty mit deiner Familie und hast keine Ahnung wie es mir geht. Ich nehme das Handy in die Hand, drücke senden und die Welt verschwimmt vor meinen Augen. Ich breche jämmerlich zusammen. Die Enttäuschung und das Wissen darüber, dass du mich schonwieder versetzt hast, überwältigt mich. Die Sehnsucht nach dir ist groß. Jede Faser meines Körpers will zu dir, will dich anrufen und dir sagen, dass die SMS ein Missverständnis war, am liebsten gleich zu dir fahren - doch mein Verstand sagt mir ich habe das Richtige getan. Und ich hasse meinen Verstand.
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