Freitag, 23. Dezember 2011

#99

"Bleibst du hier?" Du schüttelst traurig den Kopf. "Bitte" - "Das geht nicht, tut mir Leid ..." Ich bettel dich an. Eine geschlagene halbe Stunde. Doch du lässt dich nicht umstimmen. "Ich muss jetzt wirklich los." Jetzt bin ich die, die den Kopf schüttelt: "Bleib hier. Wenn ich morgen nicht neben dir aufwache, bin ich traurig." Du lächelst zaghaft: "Das geht trotzdem nicht." Mit den Armen stützt du dich auf, beugst dich über mich und küsst mich, bis du schließlich zur Bettkante vorrutschst. Dein Pullover fliegt in hohem Bogen in meine Richtung. "Kuschel mit dem", lächelst du. Ich rieche daran. "Dein T-Shirt ist besser." Du streifst es dir über, gibst es mir und nimmst deinen Pullover an dich. Ich schiebe mich vor bis zu dir, umschlinge meine Arme um deinen nackten Oberkörper, küsse deinen Nacken und lege meinen Kopf auf deinen Rücken. Verzögere den Abschied, nur um ein paar Sekunden. Du lehnst dich an mich, fasst meine Hände. Meine Augen sind müde, schließen sich. "Jetzt komm schon ...", dein Körper erhebt sich und verschwindet nach fünf Minuten in der Nacht.

Etwas benommen wache ich auf. Links. Rechts. Du bist nicht da. Ich bin traurig. Wie vorhergesehen. Das blaue Shirt liegt neben mir. Ich nehme es in meine Hand, erblicke den Ring an meiner linken, den mir Juli gestern geschenkt hat und muss lächeln. Dein betörende Duft steigt mir in die Nase. Ich führe den blauen Stoff  an mich, verfalle wie in Trance. Die letzte Woche verfliegt. Die Woche in der ich dich wie Dreck behandelt habe. Die Woche in der mir die schlimmsten Gedanken in den Sinn kamen. Alles löst sich in Luft auf. Alle Zweifel fallen ab, jede kleinste Unsicherheit. Bis nur noch du da bist.

Philipp Poisel - Liebe meines Lebens

1 Kommentar:

Noah hat gesagt…

schöner blog! :-)