"Und was machen wir jetzt?" - "Lass zum Hafen fahren!" - "Auf gehts." Es ist milder als in den letzten Tagen. Sogar auf dem Rad. Hanni fährt spontan auf den Netto-Parkplatz und wir ihr nach. "Hat jemand 'nen Euro? Oder 50 Cent?!" Marc wirft ihr etwas Geld zu und sie klaubt sich einen Einkaufswagen in den sie sich setzt. Cole und ich schieben sie über den halben Parkplatz, sodass Hanni schließlich taumelnd und halb im Lachen aus dem Wagen hüpft. "Wer will jetzt?" Freiwillig fahre ich die nächste Runde. Marc dreht den Wagen, dreht ihn weiter, weiter. Ich fange an zu schreien und zu lachen. Er stimmt freudig mit ein. Plötzlich hält er und schiebt mich geradewegs Richtung Busch. Entsetzt krietsche ich, doch kurz davor stoppt er den Wagen. Mein Kopf dreht und wankend stehe ich wieder auf festem Boden. Eine SMS weckt meine Aufmerksamkeit. Rafael. Er schiebt alle Schuld auf mich. Ich alles auf ihn. So geht das schon den ganzen Abend. Ich habe Probleme die kleine Schrift auf dem Display zu entziffern, stecke mein Handy schließlich weg. Cole und Marc stehen an unseren Rädern. Hanni kommt auf mich zu: "Wollen wir uns verstecken?" Ich wechsel meine Stimmungen sekündlich aus. Melancholie bei der Diskussion mit Rafael, Happyness um mit meinen Freunden Spaß zu haben. Hanni und ich laufen lachend los, hinter den Netto. "Weißt du wo's hier lang geht?", grinse ich. Sie schüttelt den Kopf. Wir gehen einfach weiter die Wand entlang, biegen nach rechts. "Alter geil" Hanni und ich stehen vor riesigen Müllcontainern. Wir ziehen einen schwarzen auf die Straße, biegen um die nächste Ecke und rollen damit wieder auf den Parkplatz. "Scheiße, wo habt ihr den her?", läuft mir Marc entgegen. "Gefunden", grinsen wir ihn an.
"Mir gings darum das ich mir schon gedacht habe das du die SMS nicht versehentlich an mich verschickt hast ... Tina ich bin saumüde und muss früh raus. Heute ist der 10. Todestag meiner Oma. Ich hoffe wir schreiben morgen weiter. Gute Nacht." Das scheint sich ja alles super zu klären. Ich steige vom Rad ab, suche meinen Schlüssel und gehe ins Haus. Ich weiß nicht, wie ich über die Nacht denken soll. Höhen, Tiefen, Tiefen, Höhen. Meine Beine sind kalt. Ich stülpe geschickt meine Boots von meinen Füßen, knüpfe die Jacke auf und nehme das Tuch ab. Ich halte inne. Greife mir an den Hals. Erfühle eine Kette. Deine Kette. Suche weiter. Meine Augen weiten sich schlagartig. "Scheiße", entfleucht es mir, "Scheiße, man!" Das Lederhalsband mit dem Puzzlestück ist weg. Das war mein Geburtstagsgeschenk von dir.
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