"Tina ..." - "Was willst du?" - "Dich"
Ich starre diese vier Buchstaben an. Lese mit den Zusammenhang nochmal durch und dieses eine letzte Wort. Eine geschlagene Viertelstunde halte ich das durch bis der Bildschirmschoner mich aus meinen nichtvorhandenen Gedanken holt. Wie kann er jemanden wollen, der keine Rücksicht nimmt, gedankenlos handelt. Ich schüttel langsam den Kopf. Nein, das kann er nicht wollen. "Das willst du nicht", schreibe ich. Keine Antwort. Er wird zurückschreiben. Irgendwann. Mein Finger schwebt über dem Pad und öffnet Solitär. Die Kontraste verwirren mich, alles verschwimmt. Ich verliere. Jedesmal. Aber irgendwie muss ich mir die Zeit vertreiben bis er sich den Entschluss fasst eine Nachricht abzuschicken. Ich öffne ICQ um mich zu vergewissern, dass er noch on ist, schließe es wieder. Eine Viertelstunde hat auch er jetzt geschafft, sagt mit der Blick auf die Uhr. Eigentlich müsste gleich was kommen. Ich weiß schon, dieses häßliche Geräusch wird ertönen und ich werde vor Schreck fast den Laptop von mir wegschmeißen. Ich bin so vorhersehbar. Ist das gut oder schlecht? Irgendwie doch beides. Aber eine tolle Eigenschaft ist das ja nicht. "AHOH", macht mein Computer, ich zucke zusammen, oh Wunder, und beobachte die blinkende Blume. Ich will seine Antwort nicht lesen, klicke irgendwas und plötzlich ist das Fenster offen. Scheiße. Mein Kopf bewegt sich näher der kleinen Schrift zu. "Wenn du meinst...", lauten seine Worte. Mehr nicht? Nur Wenn du meinst...? Ich hab etwas anderes erwartet. Eine Gegenfrage zum Beispiel. Was soll das heißen? Das wir schon wieder alles kaputt gemacht haben? Oder schon wieder ich? Ich beiße mir auf meiner Unterlippe rum, meine Stirn legt sich in Falten. "Also, dann gute Nacht", schreibe ich zurück. "Gute Nacht" Ich schließe das Chatfenster, doch ein Blick in die Kontaktliste verrät mir, dass er schon offline gegangen ist. Ich beende ICQ, schiebe den Laptop langsam von mir weg. Mein Körper rollt sich zu einer Kugel zusammen, lässt niemand in mein Inneres durchdringen. Eine seichte Träne kullert meine Wange herunter. Das darf es nicht gewesen sein. Nicht schon wieder. Langsam rappel ich mich wieder auf, schalte den Fernseher aus und schließe mein Handy an die Musikstation an. Ich scrolle runter zur Playlist shit, die ich damals extra wegen ihm erstellt habe, und lasse die traurige Musik laufen.
Ich weiß, spätestens in einer Stunde, wenn ich über den ganzen Scheiß nachgedacht, ihn aufgerollt, zusammengefaltet und wieder auseinanderklappt habe, werde ich ihm schreiben. Verlass mich nicht. Nicht schon wieder. Ich bin so ein verdammter Vollidiot! So ein beschissener scheiß Vollidiot!
Obdiah Parker - Hey Ya
1 Kommentar:
WOW, du kannst echt toll schreiben. Ich hab auch einen Blog, wo ich selbstgeschriebene Sachen veröffentliche, schau doch mal vorbei, wenn du Lust hast.
http://traumfaengerfaser.blogspot.com/
Kommentar veröffentlichen