"Ich hab jetzt übrigens zwei Kilo abgenommen!", teile ich die freudig mit. "Wie das?", fragst du misstrauisch. "Sport. Jeden Abend." Ich bin stolz darauf, das endlich durch zuziehen. Du fängst an zu lachen und sagst etwas Abfälliges. Deine Reaktion irritiert mich: "Ja, komm. Lass." Ich setze mich im Schneidersitz auf, kehre dir den Rücken zu. Du stupst mich ein paar mal an, fragst, ob ich nicht mehr mit dir rede. Meine Lippen bleiben geschlossen und folgen den häßlichen gelben Menschen auf dem Fernseher. Deine Prozedur ziehst du noch zwei Mal ab bis du mich in Ruhe lässt und deine Lieblingsserie weiter verfolgst. Gelangweilt fange ich an meine Haare zu flechten und sie wieder ihr Ding machen lassen, in einer Modezeitung zu blättern und sie schließlich auf den Boden zu pfeffern.
Two And A Half Men beginnt, du setzt dich auf und beginnst mich mit deinem Blick zu durchbohren. Irgendwann erwidere ich ihn. "Was'n los?", fragst du. Ich drehe meinen Kopf wieder zum Fernseher. "Ey!" - "Nichts ist los!" Sieht man doch. "Man du weißt genau was los." Fragend schaust du mich an. Ich fasse es nicht. "Du weißt, dass ich absolut nicht mit meinem Körper zu frieden bin und wenn ich dann was mache, lachst du mich aus. Das ist echt motivierend." - "Man ... wusste ja nicht, na ... keine Ahnung." Ja deine Rumstammelein kannst du dir getrost sparen. Meine Aufmerksamkeit gilt erneut Jake und seinem Freund die den menschlichen Vulkan präsentieren. Du stupst mich an. "Ja, jetzt plötzlich, wo deine Simpsons vorbei sind, siehst du, dass ich auch da bin.", entspringt es meinem Mund ohne dich anzusehen. Du bleibst stumm. Unser Schweigen spannt die Situation nur noch mehr an. "Ich hoffe du machst das nicht wegen mir. Brauchst du auch nicht. Du weißt, du gefällst mir so, wie du bist. Hast doch schließlich Idealgewicht..." - "Ich mache es wegen mir. Klar will auch ich dir gefallen, aber das geht nicht, wenn ich meinen Körper jeden Tag verstecken will. Und ich mache es wegen meinen Kreislauf, siehe letzen Donnerstag." Du hast keine Ahnung, was letzten Donnerstag in Sport war. Du weißt, es ging mir nicht gut, aber weshalb, habe ich dir verschwiegen. Und dich hat es wohl auch weniger interessiert, da du in den nächsten Tagen nicht weiter nachgefragt hast. Bleibe nur deiner XBOX, deinen Autos und den Simpsons treu. Hast doch auch so ein perfektes Leben. "Du hast dich ja jetzt noch nicht einmal entschuldigt." Du bleibst stumm. Deine einzigen Worte sind, dass ich nicht so ernst oder traurig schauen soll.
Ich gieße mir schnell Apfelsaft in ein Glas um die Stille zu schlagen, die uns immer noch plagt. Als ich in den kleinen Vorderraum komme, ziehst du gerade noch deine Mütze über. Dein Geschwafel geht an mir vorüber. Ich muss mich auf etwas anderes konzentrieren. Einzig dein schwaches und verspätetes "tut mir leid" dringt in meine Ohren.
Beim Raustreten siehst du nach oben: "Schau mal. Die Sterne." Ich nicke und lächel endlich wieder. Ein letztes mal drehst du dich auf deinem Rad um und verschwindest hinter der nächsten Hecke in der Dunkelheit. Ich schließe die Tür. Seichte Tränen fließen über mein Gesicht. Mein angestrengtes Unterdrücken dieser scheiß Körperfunktion fällt ab. Schon bist du weg, kaum will ich, dass du wieder zurückkommst. Hero Of War, Breathe und die ganzen Erinnerungen hallen in meinem Kopf und bringen mich erneut kurz zum Lächeln.
Beim Raustreten siehst du nach oben: "Schau mal. Die Sterne." Ich nicke und lächel endlich wieder. Ein letztes mal drehst du dich auf deinem Rad um und verschwindest hinter der nächsten Hecke in der Dunkelheit. Ich schließe die Tür. Seichte Tränen fließen über mein Gesicht. Mein angestrengtes Unterdrücken dieser scheiß Körperfunktion fällt ab. Schon bist du weg, kaum will ich, dass du wieder zurückkommst. Hero Of War, Breathe und die ganzen Erinnerungen hallen in meinem Kopf und bringen mich erneut kurz zum Lächeln.
Wie heißt es? Herz vergeben. Herz verschenkt. Verdammt. Warum dieser Junge?
Selig - Ohne Dich

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