Mir ist arschkalt. Ich laufe seit zwei Minuten in kurzem Kleid und dünner Strumpfhose auf und ab. Als ich das Auto meines Kumpels sehe, steige ich erleichtert ein. "Naa, schöne Frau", begrüßt er mich. Seine typischste Begrüßung. So empfängt er auch seine männlichen Freunde. "Wir müssen Rafael mitnehmen." Ich schaue ihn entsetzt an. "Nicht dein Ernst." - "Doch. Er wird hinten sitzen und seine Klappe halten." Na prima. Das geht ja schon gut los und ich stehe von Anfang an meine Angst gegenüber.
Endlich erreichen wir die Location, wenn man das so nennen kann. Beim Eintreten, werden wir überschwänglich begrüßt. Kreischend falle ich meinen Freundinnen in die Arme, meine Laune steigt stetig. Ich sehe die Bowle und nehme mir vor mir heute die Kante zu geben. Den Spasten ertrage ich keinen Abend. Nach dem dritten Becher dreht es mir. Purer Sekt und Früchte, wurde mir gesagt. Um so besser. Nach dem fünften ... oder sechsten, ich habe aufgehört mitzuzählen, brauche ich Luft. Ich trete raus in die sternenklare, eisige Nacht. Mein Schuh reibt etwas. Langsam setze ich mich in Bewegung, biege nach rechts ab und fange an zu rennen. Vor zwei Wegen dämme ich meine Geschwindigkeit, biege wieder nach rechts. Irgendjemand lehnt am Zaun. Erst als ich mich neben ihn lehne sehe ich, dass er es ist. Darauf habe ich keinen Bock. Ich richte mich wieder auf und gehe den Weg weiter lang, bis ich wieder schneller werde. "Ey, wo gehst du hin?", höre ich ihn rufen. Geht dich einen scheiß Dreck an.
Blackout.
Wie bin ich wieder in das Haus gekommen? Ich heule. Juli ist endlich da. Ich sitze auf einem Tisch oder einer Waschmaschine? Alle fragen, was los ist. Ich lache nur. Muss wieder raus. Ich weiß nicht wie, aber ich bin in einem kleinen Wald gelandet direkt hinter dem Gebäude. Ist er mir gefolgt? Jedenfalls ist er da. Nur noch Teile sind in meinem Kopf, der Rest ist verschwommen. Ich weine. Scheiße ich kann nicht aufhören. Ich weine nicht, ich heule, ich flenne. Ich breche regelrecht zusammen. "Alter, geh wieder rein." Er nimmt meinen Arm. Ich reiße mich los. "Fass mich nicht an!", schreie ich. "Hau hab! Ich hab keinen Bock mehr auf dich!" - "Achja? Weißt du, wie weh das tut, wenn mich jeder fragt, was ich mache? Und jeder fragt, warum ich nicht bei Tina bin? Weißt du wie weh das tut?!" - "Du bist so ein Arsch! So ein verdammter Arsch! Wegen diesem Scheiß machst du so einen Riesenaufriss?! Wegen einer Party, wo ich dich nicht eingeladen habe?! Weißt DU, wie weh das tut, jede verdammte Nacht von dir zu träumen?! Scheiße nein, weißt du nicht!" Wieder packst du mich am Arm. Wieder schreie ich mir die Kehle aus dem Hals: "Fass mich nicht an, verdammt!"
Blackout.
Die Party ist am Laufen. Alles dreht sich. Mir geht es verdammt beschissen. Ich bin überfordert und setze mich in die nächstbeste Ecke. Leute um mich herum. Sie reden mit mir. Sie sollen mich in Ruhe lassen. Irgendwann fragt mich ein Kumpel, ob ich meine Arme um seinen Hals legen kann. Ich gehorche. Er trägt mich nach draußen. Sie haben eine Bank hingestellt und eine Decke darübergelegt. Irgendjemand hat mir zwei seiner Pullover über gezogen. Jetzt liege ich. Ich fange an unglaublich zu zittern. Meine Zähne klappern und ich rolle mich zusammen. Alle Sorgen sich. Sie diskutieren, ob sie mich wieder rein bringen sollen. Doch die Musik tut nicht gut, meinen sie. Fragt mich doch mal, was ich will! Scheiße ich erfriere und ihr findet die Musik zu laut.

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