Du siehst mich an. Weißt nicht, was du machen sollst. Ich auch nicht. Ich will, dass du endlich abhaust. Ich bin schon den ganzen Tag so komisch zu dir. Ich weiß das, aber kann es nicht abstellen. "Du willst, dass ich gehe." Es war weniger eine Frage, als viel mehr eine Feststellung. Plötzlich sticht es in meinem Herzen. Ich schüttel den Kopf und sehe dir in die Augen. Sowas würde ich nie wollen. Ich bin hin und her gerissen. "Also Sonntag?" Ich zucke mit den Schultern. Meine Augen werden schon feucht. Nein, man. Nein, nein, nein, nein, nein. Mein Blick senkt sich schlagartig. Ich bin so bescheuert. So eine Memme, Mimose, Zicke. Ich nerve mich selber mit meiner Art. "Nicht weinen..." Ich fange an mir auf der Unterlippe zu beißen. Mein Mund schafft es nicht einmal ein paar ordentliche Worte zu formen. "Komm mal her." Du nimmst mich in den Arm. Ein Fehler. Ein riesengroßer Fehler. Bei sowas werde ich schwach, einfach schwach. Es war schon immer so. Bei großen Abschieden konnte ich meine Tränen unterdrücken, doch bei Umarmungen ging die Heulerei los. Aber nicht nur ein paar Tränen. Das wurde ein regelrechter Salzwasserfall. Auch jetzt kullert eine nach der anderen. Du lässt von mir ab und dein Blick wird verzweifelter. Du versuchst sie aus meinem Gesicht zu wischen. "Du und deine Krokodilstränen.", lächelst du mich sanft an. Ich muss lachen. "Jetzt geh schon. Euer Bus kommt gleich." Viel lieber hätte ich dir den Grund gesagt, warum ich weine, weshalb ich so komisch zu dir bin. Nämlich, dass ich dich vermisse. Jeden Tag sage oder schreibe ich es dir. Dass die Welt ohne dich nichts mehr wert ist, dass du mir nach einer verlorenen Minute, in der du nicht bei mir bist, fehlst, dass mir das Leben zu groß ist, wenn du nicht darin mitspielst. Doch ich schweige. Du willst mich nicht loslassen. Nicht so. Aber du musst. Leider. Wir verabschieden uns. Juli kommt mir entgegen, fragt kurz, was los ist. Ich lache kurz auf und meine, dass nichts passiert sei. Sie schüttelt den Kopf über mein offenes-Buch-Syndrom. Auch wir verabschieden uns. Sofort gehe ich auf den Haupteingang zu. Je näher ich ihm komme, desto verschwommener wird er. Ich höre Otto hinter mir herlaufen. Bis er mich eingeholt hat und schließlich in den Arm nimmt.
3 Kommentare:
wow. unbeschreiblich. beneidenswert.
Wirklich schöner Blog. Ich habe deinen Blog heute ganz gelesen, als ich ihn entdeckt habe & ich muss sagen, er hat mich direkt in seinen Bann gezogen. :)
schöön *-*
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